Die Autoimmunerkrankung Zöliakie äußert sich individuell unterschiedlich und kann in jedem Alter auftreten. Das macht die Diagnose der Zöliakie auch für Ärztinnen und Ärzte oft zur Herausforderung. Nach der ärztlichen Diagnose kann dann aber die Ernährungstherapie starten. Für Menschen mit Zöliakie bedeutet das einen strikten Verzicht auf Gluten – ein Leben lang. Die gute Nachricht: Durch glutenfreie Ernährung können Zöliakie Betroffene beschwerdefrei leben. Prof. Dr. Martin Storr ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen und den Erfolgsaussichten der glutenfreien Ernährung bei Zöliakie.
Welche Möglichkeiten der Zöliakie Behandlung gibt es?
„Bei der Autoimmunerkrankung Zöliakie kommt es zu einer fehlgeleiteten Immunreaktion gegen das in vielen Getreidesorten enthaltene Klebereiweiß Gluten. Eine Zöliakie kann sich durch völlig unterschiedliche Beschwerden bemerkbar machen, mitunter sogar symptomlos beginnen – und das erstmalig in jedem Lebensalter. Das macht es so schwierig, die Zöliakie zu entdecken. Ärztlicherseits sprechen wir deshalb auch vom „Chamäleon der Gastroenterologie“. So unklar der Weg zur Diagnose Zöliakie ist, so klar ist dann aber die Zöliakie Behandlung. Denn hier haben wir derzeit nur eine Möglichkeit: die glutenfreie Ernährung.
Was ist bei der Zöliakie Behandlung durch glutenfreie Ernährung zu beachten?
Mit einer glutenfreien Ernährung sollte erst nach einer sicheren ärztlichen Diagnose begonnen werden, da eine Selbstdiagnose oder eine glutenfreie Diät (GFD) aus anderen Gründen zu unnötigen Einschränkungen der Diagnostikqualität und der Lebensqualität führt. Nach einer sicheren ärztlichen Diagnose ist es bei der GFD wichtig, konsequent und lebenslang auf glutenhaltige Lebensmittel wie Weizen, Roggen und Gerste zu verzichten, um die Erkrankung richtig zu behandeln und Beschwerden zu vermeiden. Gerade die ausführliche Aufklärung über die glutenfreie Ernährung und die eigene Motivation, diese GFD dauerhaft einzuhalten, sind entscheidend für den Behandlungserfolg. Eine fachkundige Ernährungsberatung durch eine erfahrene Ernährungsfachkraft hilft dabei, Ernährungsfehler zu vermeiden und eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Die Ernährungsberatung ist daher nicht optional, sondern medizinischer Standard. Regelmäßige hausärztliche und ernährungsmedizinische Kontrollen unterstützen im Verlauf, Mangelerscheinungen vorzubeugen und die Lebensqualität zu erhalten.
Wie oft müssen Zöliakie Betroffene, die glutenfrei essen, zur ärztlichen Kontrolle?
Nach der Diagnose einer Zöliakie ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle unumgänglich. Die erste Kontrolle erfolgt meist nach sechs Monaten, um zu prüfen, ob die glutenfreie Ernährung gut umgesetzt wird und sich die Beschwerden bessern. Nach einem Jahr wird erneut kontrolliert, um den Verlauf zu beurteilen und mögliche Mangelerscheinungen zu erkennen. Bei dieser Einjahreskontrolle wird oftmals auch eine Magenspiegelung mit Gewebeentnahme im Zwölffingerdarm durchgeführt. Bei Erwachsenen mit sehr stabilem Verlauf und Beschwerdefreiheit können die Kontrollen danach auf alle zwei Jahre ausgedehnt werden. Bei den meisten Kontrollen werden auch Blutentnahmen (auf Antikörper und potenzielle Mangelzustände) durchgeführt. Diese regelmäßigen Verlaufskontrollen helfen, die Gesundheit zu sichern und potenziell aufkommende Probleme frühzeitig zu erkennen.